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Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 8. Jahrgang · Ausgabe 8/2011 · 31. August 2011 

Nichtamtlicher Teil

Unsere Ehrenamtler

Zeit für andere – Karin Franke

Auf der Terrasse vor dem „Haus Schalom“ des Diakoniezentrums Bethesda bei einer Tasse Kaffee erzählt Karin Franke von dem Buch, das sie gerade liest: „Dienstags bei Morrie“. Ein ehemaliger Student trifft seinen todkranken Professor. Karrierestreben und Lebensweisheit treffen in ihrem Werteverständnis aufeinander. „Zeit ist Geld“ und „Zeit ist Leben“.

„Widme dich liebevoll anderen Menschen, widme dich der Gemeinschaft, das gibt deinem Leben Sinn. Dieses Fazit eines klugen Menschen bestärkt mich in dem, was ich tue anderen das anzubieten, was ich habe und geben kann, nämlich einen Teil meiner Zeit. Einsamen Menschen Gesellschaft zu leisten, ihnen ein Lächeln zu schenken, eine liebevolle Geste, das sind keine großen Gaben, aber für denjenigen, der sie empfängt, ist es, denke ich, sehr schön. Mich selbst hält es lebendig und ich bin innerlich zufrieden, wenn ich ein Lächeln zurück bekomme.“ Für die im nächsten Jahr selbst bereits siebzigjährige, zierliche und quicklebendige Karin Franke, studierte Kindergärtnerin, die im Kindergarten des Rudolf-Elle-Krankenhauses wirkte, das jetzt ihr einstiges Kindergartenkind Cornelia Göbel leitet, begann vor acht Jahren die Zeit, die ihr mehr Zeit gab. Für Besuche bei den älteren Mitgliedern ihrer Kirchgemeinde, an deren Geburtstagen oder Jubiläen, bei Krankheit und bei Bedarf von Hilfe. Für Spaziergänge oder um für die AltersgenossInnen etwas Geselliges zu organisieren. Anlässlich Regina von Thalers vierzehntäglichem Seniorentanz in der Bethesda, „genau genommen Seniorinnentanz“, schmunzelt Karin Franke augenzwinkernd, erkannte sie auch hier Bedarf an geschenkter Zeit. Aktuell begleitet sie montags nun zwei Bewohnerinnen des Hauses, beide im Rollstuhl, jeweils zu einer Ausflugsrunde. Sie springt ein, wo gerade eine helfende Hand oder ein offenes Ohr fehlt. „Dabei behalte ich immer noch genügend Zeit für mich übrig. Zum Radfahren in der weiteren Umgebung. Am liebsten flott aber flach. In diesem Jahr sind schon zweieinhalb Tausend Kilometer zusammen gekommen. Fürs Aerobic-Training mit 15, 16 weiteren flotten Damen bei Andrea Zimmermann im ATV Eisenberg. Für Bücher. Seit ich alleine lebe, bin ich ,Herr’ meiner Zeit.“ Ganz allein ist sie nicht. Die Familie ihres Sohnes Klaus lebt am Ort. Auch die der Frau ihres Sohnes Michael, einst leidenschaftlicher „Trucker“ und Fußballspieler, der tödlich verunglückte. Es blieb die Erinnerung an ihn, ein Schimmer von Wehmut in ihren sonst so fröhlichen, freundlichen Augen und ein noch tieferes Bedürfnis, ihre Zeit und Freud und Leid mit anderen zu teilen.

Das eigene Leben ist immer auch das Leben anderer Menschen.