Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 9. Jahrgang · Ausgabe 6/2012 · 30. Mai 2012
Nichtamtlicher Teil
Fast Geschafft! BarfussHaus steht und gewinnt Energie
Crossen, Donnerstag, 10. Mai 2012, 8.00 Uhr: drei ebenso anstrengende wie erlebnisreiche Tage liegen hinter ihnen, jetzt versammeln sich die ca. siebzig Jugendlichen aus Finnland, Polen und Deutschland zum Gruppenfoto vor dem Ergebnis ihrer Arbeit. Sie stehen vor dem „BarfussHaus“, einem Gebäude, das sie während eines EU-geförderten Projektes der Gemeinde Crossen und unter Regie des Vereins „Ländliche Kerne“ e.V. im europäischen Jugendgästehaus Rittergut Nickelsdorf errichtet haben.
Beachtlich, was die Schülerinnen und Schüler da in so kurzer Zeit auf die Beine, beziehungsweise auf das Fundament gestellt haben, das u.a. durch Mitarbeiter des Crossener Bauhofes vorbereitet worden war: ein energieautarkes Haus, das in Rekordzeit errichtet wurde und sich und seine Bewohner selbstständig mit Strom und Wärme versorgt. Dass das Haus recht kompakt ist, hat gleich zwei gute Gründe: zum einen soll es einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, also wenig Rohstoffe und Energie verbrauchen, daher auch der Name BarfussHaus.
Zum anderen ist der Bau größerer Gebäude genehmigungspflichtig, deshalb galt die Zehn-Quadratmeter-Obergrenze. Trotzdem ist das BarfussHaus ein richtiges Haus mit guter Wärmedämmung.
Es besteht aus vorrangig ökologischen Baustoffen und hat sowohl Heizung als auch Stromversorgung. Die Solarzellen auf dem Dach laden zwei große Akkus, ein Wechselrichter speist eine ganz normale Steckdose. In Sachen Heizung hat man sich für das BarfussHaus etwas Besonderes einfallen lassen: die Wärmeversorgung übernimmt ein sogenannter Biomeiler. Das ist eine Art Komposthaufen, der Wärme produziert. In den 45 Kubikmetern gehäckseltem Baumschnitt liegen dicke Rohre, durch die die Luft aus dem Haus geleitet wird. Wenn sie zurück kommt, ist sie um die vierzig Grad warm. Nach 18 Monaten ist aus dem Gartenabfall bester Kompost geworden und das Material muss ausgetauscht werden. Ersonnen hat das BarfussHaus Bioenergieregion-Mitarbeiter Ronny Kilian: „Die eigentliche Herausforderung dabei war, die richtigen Technologien zusammenzuführen. Was wir hier umgesetzt haben, gibt es alles schon: kleine, ressourcenschonende Häuser, energiesparende Dämmung, Solaranlagen das Prinzip des Biomeilers gibt es sogar schon seit den siebziger Jahren.“ Die Idee, all diese umweltschonenden und trotzdem recht preiswerten Verfahren in ein Haus zu integrieren, entstand beim letzten Jugendaustausch-Projekt in Oberwesel am Rhein.
„Ohne das Engagement, die Arbeit und das grandiose Organisationstalent des Teams der „Ländlichen Kerne“ und ohne die Unterstützung der Gemeinde Crossen und vieler Firmen aus der Region, wäre das BarfussHaus-Projekt allerdings auch nur eine mehr oder weniger verrückte Idee geblieben“, so Kilian weiter. Möglich wurde es auch nur durch die Leader-Förderung der RAG Saale-Holzland, die die Gemeinde Crossen beantragt hatte und sich auch selbst finanziell beteiligte.
„Letztendlich hat sogar Landrat Andreas Heller mit angepackt. Er hat gemeinsam mit den Jugendlichen den vierten Wärmetauscher in unseren Biomeiler eingebaut.“ Und der funktioniert schon: als am Freitagnachmittag das erste Messsystem im BarfussHaus Daten liefert, arbeitet der Meiler bereits bei über 50 Grad und die Akkus der Solaranlage sind voll geladen.
Die Gäste aus Finnland, Polen, Oberwesel am Rhein, Kirchberg im Hunsrück und auch die Schülerinnen und Schüler der Regelschule Crossen und des Hermsdorfer Förderzentrums haben also ganze Arbeit geleistet. Für ein Haus, das künftig als Lernort und Forschungsstation dient und im Rahmen des Jugendforschungscamps Schulklassen und Familien, auch über die Grenzen des Landkreises hinaus, offen stehen wird.
Ein gutes Zeichen: schon am ersten Abend konnte Richtfest gefeiert werden – die Abendsonne beleuchtet den Richtkranz. (Foto: RAG)