Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 9. Jahrgang · Ausgabe 11/2012 · 28. November 2012
Nichtamtlicher Teil
Unternehmen in Verantwortung –
Druckerei Richter in Stadtroda: Papier – lieben wir!
Uwe Schmidt, Karsten und Gerhard Richter (von links nach rechts) mit der Komori 5 (Foto: W. Schaffer)
Die erste Druckerei in Roda gründeten Carl und Helene Olbrich, die am 1. Januar 1866 erstmals den „Allgemeinen Anzeiger für Roda und Umgebung“ herausgaben. Nach dem Tode Carl Olbrichs übernahmen am 1. April 1896 Marie und Max Jehne die Druckerei.
Emil Richter aus Dautzschen, der in Torgau das Buchdruckerhandwerk erlernte und bei Breitkopf & Härtel in Leipzig Geld verdient hatte, erwarb sie 1905 von Jehnes Witwe.
Er gestaltete die Zeitungen neu und schaffte 1913 das „technische Wunder“ eine Typograph-Setzmaschine, moderne Druckmaschinen, Bleischmelzanlage, Fotolabor mit Klischeeherstellung und Buchbindetechnik an.
1921 zog die Druckerei aus der Mühlenstraße an den Amtsplatz. Weil Sohn Edgar sich als Musiker sah, sollte Neffe Paul später Emils Lebenswerk fortführen. Er starb im August 1918 den „Heldentod“.
Der Notwendigkeit gehorchend, trat nun Edgar nach Studium und Promotion an der Uni Jena 1923 in den väterlichen Betrieb ein. Emil Richter starb 1937. Edgar führte den Betrieb durch die „Systemzeit“, wurde nach der Besetzung Stadtrodas durch die Rote Armee im April 1945 verhaftet und verstarb 1947 im NKWD-Lager „Fünfeichen“ bei Neubrandenburg. Die Druckerei diente vier Monate als Kaserne, bevor seine Frau Elfriede sie weiterführen konnte. 1954 übernahm sie ihr „Ältester“ Gerhard, der in Jena Schriftsetzer gelernt hatte, mit 19 Jahren und ohne Zeitung. Als einer der jüngsten Handwerksmeister der DDR musste er, zeitweise „Alleinmeister“, alle anfallenden Arbeiten beherrschen, die Druckerei vom Zeitungsdruck auf Akzidenzendruck umstellen und aus schrottreifen Druckereimaschinen brauchbare „zusammenbasteln“.
„Einesteils zwar immer der ungeliebte Risikofaktor, konnte man andererseits auf meine Erzeugnisse nicht verzichten. Finanziell hielt man uns an der Existenzgrenze und durch Auszeichnungen und Urkunden bei Laune.“
„Goldenen Boden“ ließ das lückenlose Druckgenehmigungssystem mit Kontingentzuweisung nicht zu. So war zur Wende kaum Geld vorhanden, Kredit schwer zu bekommen, die Modernisierung aber unumgänglich notwendig: Neue Druck-, Computer- und Fototechnik.
Da mussten persönliche Wünsche zurückstehen, auch als die 4. Generation, Dipl.-Ing. Steffen und Buchdruckermeister Karsten Richter, das Geschäft übernahm. Inzwischen steht im baulich erweiterten Druckhaus mit einer Komori 5 Farb-Offsetdruckanlage und einem AGFA-Laser-Plattenbelichter modernste, umweltschonende Technik zur Verfügung. Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich. Mit Vater Gerhard im Hintergrund bewältigen sie und vier weitere Mitarbeiter rund 1200 Aufträge aller Art im Jahr.
„Das reicht wieder nicht für Reichtum, sichert aber die Existenz. Wir können fast alles – Plakate, Flyer, Broschüren, Chroniken. Qualität und Verlässlichkeit sprechen sich herum und wir pflegen die Daten unserer Kunden. Die schönsten Produkte sind aber doch Bücher. ‚Stadtroda – Straßennamen erzählen‘ (Möbius), ‚Stadtroda – Das älteste Wahrzeichen der Stadt‘ (Rode), im UND-Verlag Friedhelm Bergers erschienen, oder ‚Abenteuer Saaleland‘ (Mörtel), im Welken Verlag, sind Beispiele. Für den ‚Buchenwald-Zyklus‘ des Künstlers Conny Gabora (Hrg. MdL Christian Carius im UND-Verlag) erhielten wir den Deutschen Innovationspreis der Druckindustrie.“
Papier sei beständig und Gedrucktes glaubwürdig und dauerhaft, ist Karsten Richter optimistisch. Die „alten“ Druckereimaschinen stehen noch „konserviert“ in einem Nebengelass museumswürdig die modernen erhalten die Zuversicht aufrecht. Die mögliche 5. Generation Buchdrucker gegen Lese- und Schreibschwäche und digitale Demenz heißt Martin und Johann. „Gott grüß die Kunst!“
Wilhelm Schaffer