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Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 8. Jahrgang · Ausgabe 11/2011 · 30. November 2011 

Nichtamtlicher Teil

Kleine Firmen – großes Potenzial

Interview mit Landrat Andreas Heller

Herr Landrat, von Beginn Ihrer Amtszeit an suchen Sie Kontakt zu den Unternehmern im Landkreis?

Der Saale-Holzland-Kreis ist durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt. Ihr Wohl und Wehe bestimmt das des Landkreises. Wirtschaftlich und damit auch sozial, denn die soziale Funktion eines Unternehmens besteht zuallererst darin, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, die Mitarbeiter anständig zu bezahlen und ehrlich Steuern zu entrichten. Den mittelständischen Unternehmen haben wir es wesentlich zu verdanken, dass 93,7 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung berufstätig sind. Die Aufgabe des Staates, auch meine und die des Kreistages ist es, sie dabei durch günstige Rahmenbedingungen zu unterstützen. Das kann ich nur, wenn ich ihre Probleme kennen lerne und natürlich auch ihre Erfolge. Beides geht am besten, eigentlich nur, vor Ort.

Ihr genereller Eindruck?

Die hohe Beschäftigungsrate zeigt, dass das Gros der Firmen solide aufgestellt ist. Mit Genugtuung sehe ich, dass sich immer mehr souverän entwickeln, den Status der verlängerten Werkbank überwinden. Einige etablierten sich auf den internationalen Märkten, viele als solide Zulieferer, eigenständig in Nischen, als direkt für die Region bedeutende Handwerker, Landwirte oder Dienstleister. Erfreulich auch ihr großes Engagement bei der Förderung des geselligen, kulturellen und sportlichen Lebens in den Kommunen und darüber hinaus. Die Unternehmer leben mit ihren Familien mitten unter uns. Sie müssen im Gegensatz zu Managern in Banken und Konzernen ihren Mitarbeitern täglich in die Augen sehen. Oft auch sonntags. Sie stehen mit jeder ihrer Entscheidungen in der Verantwortung für den Bestand ihrer Firma im Wettbewerb, für ihre eigene Existenz und weitgehend auch die ihrer Mitarbeiter. Bei drohender Insolvenz spannt niemand Rettungsschirme für sie auf oder zahlt ihnen Abfindungen. Ein ernstes Problem erkenne ich bei vielen Firmen, insbesondere Handwerksbetrieben, im fehlenden Nachwuchs. Das betrifft die „Erbfolge“ in der eigenen Firma wie den Mangel an Fachkräften.

Ihnen liegt seit Jahren Ihr Projekt „Schule trifft Wirtschaft“ am Herzen?

Schon zu meiner Zeit als Schulleiter am Schillergymnasium knüpften wir Kontakte u. a. zu „dornburger zement“, zu Silbitz Guss, zur Agrargenossenschaft Buchheim-Crossen. Schüler verlieren immer mehr der Bezug zur praktischen Arbeit und damit deren Wertschätzung. Die breite Palette der Berufsangebote handgreiflich, wenigstens augenscheinlich kennenzulernen, ist für die Berufswahl bedeutend. Mal selber etwas Brauchbares anzufertigen, das befriedigt. Bis heute bedaure ich den Fortfall des Polytechnischen Unterrichtes. Das Projekt soll da Möglichkeiten eröffnen. Nicht unbedingt klassenweise. Für interessierte Schüler und Lehrer. Vielleicht springt Interesse für einen wissenschaftlich-technischen-handwerklichen Beruf, ein Praktikum oder eine Lehrstelle dabei heraus. Erfreulich, dass einige Schulen die Idee aufgriffen. Am Computer kann man spielen, doch virtuell kann keiner leben und real muss man etwas dafür tun. Technische Berufe bieten auf absehbare Zeit die beste Basis für eine Existenz.

Sie beabsichtigen, den Bürgern das Wirken der Unternehmen im Amtsblatt näher zu bringen?

Es geht mir darum, ihre Bedeutung für unseren Landkreis ins rechte Licht zu rücken, auch um vorzubeugen, dass ihr Wirken mit dem von „Heuschrecken“, Banken und Konzernen in einen Topf geworfen wird. Vor allem aber darum, Eltern, Lehrern und Jugendlichen die vielseitigen beruflichen Chancen nahezubringen, die Unternehmen hier in der Region zielstrebigen jungen Leuten bieten. Wenn die hellen Köpfe weglaufen, geht nicht nur die Wirtschaft den Bach runter, auch die Kultur.

Die Fragen stellte Wi. Schaffer