Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 9. Jahrgang · Ausgabe 10/2012 · 24. Oktober 2012
Nichtamtlicher Teil
Wieder auf „Landradpartie“: Pilgern „per pedales“
Landrat Andreas Heller (links im Bild) im Gespräch mit Herrn Töpel (rechts im Bild) am Wildgehege in Untergneus. (Foto: W. Schaffer)
Wie seit sieben Jahren erfolgte wieder die jährliche Erkundungsfahrt im glücklicherweise noch übersichtlich großen Heimatkreis. Anregung gab diesmal der Plan initiativer Mitbürger um Friedbert Reinert (CVJM), in und um Tröbnitz, einen Pilgerweg durch die Täler und natürlich über die zugehörigen Höhen zu schaffen. Er soll Tröbnitz, Gneus, Trockenborn/Wolfersdorf, Stanau, Pillingsdorf, Burkersdorf, Renthendorf und die Tälerdorfer von Ottendorf bis Waltersdorf berühren. Auf vorhandenen und noch zu erschließenden Wanderwegen. Unser Versuch, nahe dem Pilgerpfad Rad zu fahren, startete für Andreas Heller in Serba und führte über Hermsdorf, die Kreuzstraße und den Radweg durch den Ölsnitzbachgrund entlang, heftig hinabnachLippersdorf,dann nach Tröbnitz, Geisenhain und Gneus. Durch schmucke Ortschaften, ausgenommen die Tälermühle, mit sehenswerten Kirchen, ausgenommen Waltersdorf, mit jeweils besonderen Schätzen, leider hinter verschlossenen Pforten. Was sich künftig pilgergerecht ändern soll.
In Tröbnitz gibt es das Heimatmuseum. In Untergneus die Wildgehege der Brüder Thomas und Holger Töpel. Die gesamte heimatliche Fauna auf weitläufigen Hängen links und rechts des Weges. Was ursprünglich der Erzeugung von Wildbraten dienen sollte, wandeltesichquasiimSelbstlaufzu einer hegerischen Attraktion. Zur Fundgrube für Natur- und Heimatkundeunterricht und für Kindergärten, zur Freude der Wanderer. Selbst die ganz winzigen Viecher kann jeder da mit der Lupe suchen und beobachten. Am Tierpark gings hinauf Richtung Geiersberg. Happig, mehr was fürs Mountainbike. Wir fuhren vorher, an einem stillen Waldweiher links ab, hinunter zur Straße nach Wolfersdorf. Leider war daslauschige Café im Schloss „Fröhliche Wiederkunft“ vormittags noch geschlossen. Also in den „Kellerberg“ gegenüber, zu delikatem Thüringer Pflaumenkuchen, wagenradgroß, von der „Ferdschwere“ in der Backstube.
Weiter über die rekonstruierte Fürstenbrücke nach Stanau. Die kleine ziegelorangene Kirche überragt am Hang das denkmalgeschützte Fachwerkensemble der Dorfmitte. Dann bergan in romantisch wilden Wald, über weniger romantisch wilde Wege nach Pillingsdorf und Burkersdorf. Zwei idyllische Dörfer, die an durchgängiger Schönheit die Tälerdörfer noch übertreffen. Gelegen an Alleen inmitten parkartig anmutender Wälder.
Hinab nach Renthendorf, einst Wirkungsstätte der weltbekannten Christian Ludwig und Alfred Edmund Brehm. Entsprechend ihrer Bedeutung und der diesbezüglichen Alleinstellung des Ortes in Deutschland, stimmt die Ignoranz von Land und Bund gegenüber dessen Erhaltung und Förderung den Wanderer trübe. Der Förderverein, mit Hilfe des neu gegründeten Zweckverbandes, müht sich redlich, kann aber wohl die Rettung des brehmschen Erbes nicht bedeutungsgerecht stemmen. Dazu gehört auch die durchgehende Sanierung des längsten Dorfes im Landkreis, a la Pillingsdorf/Burkersdorf. In Ottendorf schließt sich dann die geplante rund 40 km lange Runde.
Die „Landradpartie“ ging noch den Eineborner Berg hoch, nach Hermsdorf und Serba zurück.
Fazit: Ein Pilgerweg durch die wechselvolle, herrliche Natur, durch die gepflegten Dörfer und in ihre Kirchen, mit viel sonst noch Sehenswertem am Rande, ist eine tolle Idee. Ihre Verwirklichung brächte großen Gewinn für die Region. „Nachfahren“ oder Wandern sei jetzt schon empfohlen. Frische Luft und innere Einkehr erspart die Couch.
Wilhelm Schaffer