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Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 9. Jahrgang · Ausgabe 10/2012 · 24. Oktober 2012 

Nichtamtlicher Teil

Unsere Ehrenamtler – Die Zwei vom „Zinsspeicher“

Von links nach rechts: Frau Gudrun Hornung, Frau Liesl Adami (Foto: W. Schaffer)

Der „Zinsspeicher“ gegenüber der Klosterbasilika in Thalbürgel gehörte als Kornspeicher zum einstigen Benediktinerkloster. Als die Gemeinde nach der Wende eine sinnvolle Nutzung für das alte, nun denkmalgeschützteGemäuer suchte, rückte Gudrun Hornung mit der verrückten Idee eines Museums bei der damaligen, seit 1969 in Rodigast, dann in Thalbürgel amtierenden Bürgermeisterin Liesl Adami an.

Die zu der Zeit arbeitslose Polytechnikerin sammelte seit Jahrzehnten Urgroßmutters handbesticktes Linnen, wusste gerade nicht, wohin mit dem Inventar der Stellmacherei ihres Schwiegervaters und es schmerzte sie, das „große Wegwerfen“ nach der Wendezuerleben. „Mitdemvermeintlichen Gerümpel werfen die Leute ihre ganze Identität weg“, beschwor sie die Bürgermeisterin, dem gemeinsam entgegen zu wirken. Diese wiederum gewann die Zustimmung des Gemeinderates für das Museum an Stelle einer Großbäckerei und beschaffte dafür eine ABM-Stelle, später eine halbtags Festanstellung für Gudrun Hornung.

Die baute zum 1. Klosterfest am 6. September 1992 einen Stand mit altem Gerät aus Haus, Hof und Handwerk auf. Mit viel Resonanz beim Publikum, bei Birgit Hellmann, die den Fundus des Jenaer Stadtmuseums verwaltete, und beim Direktor des Tübinger Stadtmuseums. Der nahm sie gleich mit nach Tübingen, zwecks „Anschauungsunterricht“ und Beihilfe zur Konzeption. Die Jenaer steuerten dazu passende Exponate bei.

Zum 2. Klosterfest im Juli 1993 öffnete das „Museum Zinsspeicher“ seine Pforten. „Wir wollten ein Museum schaffen, das vor allem den ‚Jungen‘ einen lebendigen Eindruck von der dörflichen Lebensweise der Altvorderen vermittelt. Mit Dingen zum Anfassen und Ausprobieren. Mit Dorfschulklasse, Schmiedeecke, Schusterwerkstatt, Bäckerei, Steinbackofen und Lehrpfad vom Korn zum Brot. Eine Fundgrube für den Heimatkundeunterricht.“ Sie schufen etwas auf Dauer.

Auch nach der Eingemeindung nach Bürgel, in der Stadtverwaltung angestellt, widmete sich Liesl gemeinsam mit Gudrun und Leib und Seele der ländlichen Kultur.

1998 initiierten sie die Gründung des Klosterfestvereins, ein Jahr später die des Fördervereins „Museum Zinsspeicher“, dem heute über 50 Mitglieder angehören. Leider nur vier unter 50. Auch nicht mehr die Stadt Bürgel. Unverdrossen schlagen indessen die Herzen der beiden nun rührigen, rüstigen Rentnerinnen für Museum, Kloster-, Backofen- und sonstige Feste. „Dabei vertritt jeder seine Meinung, im Interesse der Sache, manchmal auch heftig, aber wir können auch beide zugeben ‚Du hast oder hattest ja recht‘. Sonst oder gar ohne einander ginge es nicht, sind sichbeideeinig.

Hochverdientermaßen ehrte der Landrat das „Gespann“ vom Zinsspeicher mit der Thüringer Ehrenamtscard. Hoffentlich geht es noch lange nicht ohne einander und mit ihren Mitstreitern, ohne die es natürlichauchnichtgeht.Ob beim Planen und Organisieren, beim sommerlichen Wandern und Radfahren, in der „dunklen“ Zeit beim Basteln oder Doppelkopf, bei fröhlichen Festen oder beschaulichen Abenden in „ihrem“ Museum.