Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 8. Jahrgang · Ausgabe 10/2011 · 26. Oktober 2011
Nichtamtlicher Teil
Selbst Leid erfahren – hilfsbereit für Andere: Regina und Albrecht Joger.
Manchmal erwächst aus eigenem Leid das Verständnis für das Leid des Nächsten und das Bedürfnis, zu helfen. Regina (67) und Albrecht Joger (69) engagierten sich immer für „Bedürftige“ und gründeten z. B. 1978, selbst nicht betroffen, den „Club für Alleinstehende“. Albrecht betreute erstmals 1976 einen älteren Herrn. Das dafür zuständige Staatliche Notariat übertrug ihm diese ehrenamtliche Aufgabe. Heute bestimmt jeweils das Amtsgericht, auf Antrag Angehöriger, des Arztes oder aufmerksamer Nachbarn. Wohlgemerkt es geht nicht um körperliche Betreuung, sondern um Rat und Tat im Labyrinth des alltäglichen Lebens. Mit Schwerpunkten je nach physischer, psychischer und geistiger Befindlichkeit des zu Betreuenden. Von Beruf Keramikingenieur und als Fachinformator im ITK der KWH tätig, stieg Albrecht Joger 1995 auf Entwicklung sozialer Projekte um, qualifizierte sich über die IHK zum Berufsbetreuer und betreute an die 20 gehandicapte Mitbürger im Rahmen des Vereins „Behinderte und ihre Freunde“. Bis 1998 ein Schlaganfall dieser Tätigkeit ein Ende bereitete und ihm eine Zukunft als erwerbsunfähiger Rentner. Er musste kürzer treten, aber ganz „ohne“ geht es nicht.
So wirkt er zur Zeit ehrenamtlich als Kreisgruppenvorsitzender im Landesverband der Selbsthilfegruppen Angehöriger psychisch Kranker, als Nachlasspfleger beim Amtsgericht und betreut noch zwei seiner „Freunde“. Besonders der Jüngere bereitet ihm Freude. Er leistet gute Arbeit in den ASB-Werkstätten Bad Klosterlausnitz, kaufte sich als Fan der „Toten Hosen“ ein Schlagzeug, besucht die Kreismusikschule, übt und übt und macht zur Zufriedenheit seiner Lehrer mit Ausdauer gute Fortschritte.
Regina Joger, ebenfalls Keramikingenieur, war bis 1993 Leiterin der „Ökonomie“ des Betriebes Sintermetall in den KWH. Nach einem IHK Lehrgang zur Staatlich geprüften Baukalkulatorin zunächst keine Anstellung, nach Praktikum dann ihre Fähigkeiten anerkannt und eingestellt, aber nach Insolvenz des Betriebes wieder ohne Job. „Nach Albrechts Schlaganfall hatte ich mich intensiver in seine Arbeit eingemischt. Als ‚Bürochefin‘. Nun arbeitslos, wollte auch ich mich als Berufsbetreuerin selbständig machen. Das schien mir eine Arbeit zu sein, in die ich meine Lebenserfahrung und meine samariterische Seele einbringen konnte. Mit zehn Betreuungen beauftragt, endete sie allerdings nach Inkrafttreten des neuen Betreuungsgesetzes. Das reduziert den Betreuer auf einen Formalitäten-Erlediger. „Wir sahen uns immer als Bezugspersonen, oft entstanden daraus Freundschaften.“ Ihre zu Betreuenden umsorgt sie seitdem wieder ehrenamtlich. Momentan noch zwei. Wegen deren gesundheitlichen Problemen mit ziemlichem Aufwand. „Professionell“ arbeitet sie wieder als Baukalkulatorin.
Auf Vorschlag der Betreuungsbehörde zeichneten Landrat Heller und der EBG Dr. Möller das Ehepaar Joger im Kaisersaal Schloss Christiansburg mit der Thüringer Ehrenamtscard aus.