Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 9. Jahrgang · Ausgabe 8/2012 · 1. August 2012
Nichtamtlicher Teil
Die Kugeleiche bei Schöngleina –
ein wichtiges Naturdenkmal unseres Landkreises
Dieses Foto des Naturdenkmals „Kugeleiche“ stammt von der vergangenen Baumkontrolle vom 25. April 2012. (Foto: LRA)
Naturdenkmale sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz „rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur“, deren Schutz unter anderem durch ihre Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich sein kann. Zu derartigen Einzelobjekten gehören vor allem alte Bäume. Aufgrund ihrer Schönheit, ihrer landschaftsprägenden Form oder einfach weil sie älter werden können als ein Menschenleben dauert, haben Bäume die Menschen schon von jeher fasziniert und es gab immer Verantwortliche, die sich für den Schutz alter Bäume eingesetzt haben.
Vor fast genau 50 Jahren wurden mit Beschluss des damaligen Rates des Kreises vom 06.06.1962 drei markante Bäume als Naturdenkmale ausgewiesen: Die Stieleiche am Teich des Forsthauses Ascherhütte (heute der stärkste Baum im Saale-Holzland-Kreis), die Winterlinde in Waldeck, die 1864 aus Anlass des Sturmes der preußischen Truppen auf die Düppeler Schanzen gepflanzt worden war, und die Kugeleiche bei Schöngleina. Letzter Baum soll etwas näher vorgestellt werden. Etwa 1,6 km südlich der Ortsmitte von Schöngleina zweigt ein kleiner Feldweg vom alten „Eselsweg“ ab, auf dem die Bewohner Schöngleinas ihr Getreide zur Schermühle brachten. Von der 1991 durch das Landratsamt Stadtroda aufgestellten Bank hat man eine weite Aussicht nach Süden bis auf die Höhen jenseits Stadtrodas und ins Rodatal, nach Westen und Norden blickt man zur Wöllmisse.
Die Kugeleiche ist eine Traubeneiche (Quercus petraea), die unmittelbar an der alten Wegegabelung steht. Sie wies 2006 einen Stammumfang von 3,83 m auf, eine Höhe von 20 m und einen Kronendurchmesser von 30 m. Ein respektabler Baum, der aber noch gar nicht so alt ist, wie die Ausmaße annehmen lassen. Nach einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1992 wurde der Baum von Max Goldbergk aus Schöngleina in den Jahren nach 1900 gepflanzt; ein Anlass für die Pflanzung ist leider nicht überliefert. Der Baum heißt auch „Goldbergk-Eiche“.
Wer den Anstoß zur Unterschutzstellung gegeben hat, ist leider nicht bekannt. Der damalige Naturschutzbeauftragte war der Förster Gernhardt aus St. Gangloff, der den Antrag einbrachte. Damals wurde das Alter des Baumes auf über 100 Jahre geschätzt.
In den 1980er Jahren kümmerte sich der Hermsdorfer Lehrer G. Bocklisch intensiv um die Inventarisierung landschaftsprägender Bäume im Kreis Stadtroda. Er war es auch, der den Namen „Kugeleiche“ prägte. 1993 trat das Vorläufige Thüringer Naturschutzgesetz in Kraft, auf dessen Grundlage der Baum 1995 eine Schutzverordnung erhielt, die bis heute gültig detailliert die Geund Verbote im Zusammenhang mit der Unterschutzstellung regelte.
Da sich oft Wanderer in der Umgebung des Baumes aufhalten und auf der Bank rasten, ist es erforderlich, regelmäßig die toten Äste zu entfernen, die auf Weg und Wiese fallen können. Dazu wird der Baum durch die Untere Naturschutzbehörde des Saale-Holzland-Kreises regelmäßig kontrolliert und notwendige Schnittmaßnahmen werden veranlasst.
Trotz der intensiven Bewirtschaftung der umliegenden Felder weist die Kugeleiche eine gute Vitalität auf. Wir hoffen, dass dies so bleibt und der Baum noch viele Jahrzehnte eine Zierde der Landschaft zwischen Stadtroda und der Wöllmisse ist.