Amtsblatt des Saale-Holzland-Kreises · 8. Jahrgang · Ausgabe 9/2011 · 28. September 2011
Nichtamtlicher Teil
Mit Hochdruck bei der Sache – Jens Hild
Der ehrenamtliche Bürgermeister von Großeutersdorf erfuhr von seiner Ehrung mit dem Kreisheimatpflegepreis 2011 erst nach der feierlichen Verleihung. Die Verwaltungsgemeinschaft „Südliches Saaletal“ schlug ihn dafür vor und der Landrat lud ihn zum Kreisheimattag nach Camburg ein. Da hatten aber das Erntefest in Großeutersdorf und der Aufbau des großen Festzeltes Priorität. Sie erwarteten an die 1000 Festgäste. „Wir pflegen als ehemaliger Altenburger Westkreis traditionell die Beziehung zum ehemaligen Ostkreis“, erläutert Jens Hild. Was die Geschichte Großeutersdorfs und der Region angeht, weiß der Großeutersdorfer Bescheid. Jung schwebte ihm allerdings ein „Aktenkofferberuf“ vor. Doch der trockene Stoff lag ihm nicht. Später wirkte er ab 1984 als Gemeindevertreter, dann als Leiter des FDGBFerienheimes im Leubengrund, als Mitarbeiter des Kulturbundes und seit 1999 als Bürgermeister.
Sein Interesse für die Ortsgeschichte erwachte in der Gemeindevertretung. „Ziemlich blauäugig fuhr ich ins Kreisarchiv nach Jena. Ich dachte, da guckste mal unter Großeutersdorf nach. Das gab’s aber nicht so geordnet. Und ach du Schreck, die Schrift ... Jetzt kann ich die alten Hieroglyphen ganz gut lesen, aber damals begann die Sisyphusarbeit“. Zunächst interessierte ihn die über hundert Jahre alte Hängebrücke über die Saale. Die erste Chronik über die „Lügenbrücke“, besser als „Schaukelbrücke“ bekannt, erschien als Festschrift zum ersten Brückenfest 1988. Da gesellten sich zu den 1000 Groß- und Kleineutersdorfern 10 000 Gäste, die erstmals begeistert das Tauziehen mit einem 90 Meter langen Seil über den Fluss verfolgten. Inzwischen nun Tradition, wie seit 1993 das spektakuläre „Badewannenrennen“.
Nach einer schwierigen Zeit von 1991 bis 2000, zwischen Arbeitslosigkeit, ABMund Bildungsmaßnahmen, besann sich Jens Hild auf seine wahren Interessen und arbeitet seitdem freiberuflich als Chronist, Heraldiker und ab und zu als Familienforscher. Es erschienen nun bereits die 3. überarbeitete Auflage der Brückengeschichte und umfangreiche Publikationen, wie „Rastplatz Siedlung Dorfgemeinschaft“ zur 1125 Jahrfeier, „Rautenkranz und rote Rose“ über die Hoheitszeichen des Herzogtums und des Freistaates Sachsen-Altenburg, und jüngst das Heft „100 Jahre Strom für Großeutersdorf“. Er arbeitet an Ortschroniken und an der Kreischronik. Das Wappen des SHK entstand mit nach seiner sachkundigen Idee und 10 Gemeindewappen vollendete er selbst. Daneben sitzt er dem Brückenfestkomitee, dem Kulturverein und dem Sportfischerverein des Dorfes vor. „Mit vielen engagierten Mitstreitern, die Ahnung haben“, betont er erfreut. Seit zwei Jahren wirkt er in der Deutschen Gesellschaft für Flaggenkunde. Aber davon leben ? Seine Frau Birgit arbeitet in der Uniklinik Jena und er kocht für die Familie. So kommen beide nebst ihren Kindern Caroline und Martin klar.
Nach der Ehrenamtscard im Vorjahr nun herzlichen Glückwunsch zur erneuten Auszeichnung. Und weiter trotz und mit Hochdruck, „damit etwas bleibt von einem ...“.